Warum Interior Design und Ordnungscoaching mehr gemeinsam haben, als du denkst
Hand aufs Herz: Wenn du an Interior Design denkst, siehst du dann auch sofort diese perfekten Pinterest-Wohnzimmer vor dir? Alles in Creme- und Erdtönen, keine sichtbare Steckdose und irgendwo steht sicher eine Vase mit genau drei Pampaszweigen.
Weißt du, was mir bei der Arbeit mit meinen Kundinnen immer wieder auffällt?
Die schönsten Räume nützen nichts, wenn die Ordnung im Alltag nicht mitspielt. Und umgekehrt: Selbst das funktionalste Ordnungssystem fühlt sich nicht nach Zuhause an, wenn Ästhetik und Wohlfühlfaktor fehlen.
Genau hier treffen Interior Design und Ordnungscoaching aufeinander – an einer Schnittstelle, die oft übersehen wird.
Ein paar Gedanken zum Thema Ordnung und Raumwirkung
Ordnung bedeutet nicht nur, dass alle Dinge einen festen Platz haben. Auch die sichtbare Gestaltung eines Raumes beeinflusst, ob wir ihn als ruhig, harmonisch und aufgeräumt wahrnehmen.
Viele einzelne Gegenstände, offene Ablageflächen und unterschiedliche Möbel können einen Raum schnell unruhig wirken lassen. Geschlossene Fronten, klare Bereiche und eine bewusste Auswahl sichtbarer Elemente schaffen dagegen mehr Ruhe.
Dabei geht es nicht darum, in jeder Wohnung eine sterile Zeitschriftenkulisse zu schaffen. Ein Zuhause darf persönlich sein und benutzt aussehen. Entscheidend ist vielmehr, ob die Einrichtung zum Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner passt und ob die vorhandenen Dinge sinnvoll untergebracht werden können.
Kurz gesagt: Ordnung und Interior Design sind keine Gegenspieler. Sie sind Teamplayer.
Deshalb habe ich mich mit Interior Designerin Anna Bergner getroffen. Sie bietet Einrichtungsberatung online an und erstellt Raumkonzepte inklusive Shoppingliste und 3D Visualisierungen. Mit ihr habe ich darüber gesprochen, wie sie das Thema Ordnung in ihrer Arbeit erlebt und warum gute Räume mehr sind, als nur schön anzusehen.

Meine Fragen an Interior Designerin Anna Bergner
annabergner.com
- Wie wichtig ist das Thema Ordnung bei deinen Interior-Projekten?
Anna:
Ordnung beziehungsweise ein ruhiges Ambiente spielen bei meinen Interior-Projekten eine große Rolle.
Dabei geht es allerdings weniger um Ordnung im klassischen Sinne – also um Ordnungssysteme oder die Frage, wie man Dinge sinnvoll verstaut und dauerhaft Ordnung hält – sondern vielmehr um visuelle Ordnung und die Wirkung eines Raumes.
Ich beschäftige mich deshalb vor allem mit der Frage: Wie schaffen wir es, dass sich ein Raum dauerhaft aufgeräumt, ruhig und stimmig anfühlt und auch so aussieht? Gerade im Wohnzimmer ist es vielen meiner Kunden wichtig, dass der Raum nicht nur funktional ist, sondern auch optisch Ruhe ausstrahlt und sich entsprechend anfühlt.
Letztlich geht es also immer um die gewünschte Raumwirkung. Wenn ich frage, wie sich für meine Kunden ihr Raum nach dem Umstyling anfühlen soll, höre ich meist “ruhig, aufgeräumt, ohne Ablenkung, clean”. Ruhe und – mindestens – visuelle Ordnung sind also für einen Großteil meiner Kunden sehr wichtig. - Welche Rolle spielt Ordnung für die Wirkung und Atmosphäre eines Raumes?
Anna:
Eine große Rolle. Dabei geht es natürlich nicht um Ordnungssysteme, die sich in Schubladen oder hinter Schranktüren verbergen, sondern um visuelle Ordnung und ein aufgeräumtes, harmonisches Ambiente.
Ein ruhiges und ausgewogenes Raumgefühl ist für mich essenziell dafür, dass wir uns in einem Raum wohlfühlen können.
Wie stark man darauf reagiert, ist allerdings von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche Menschen sind für solche Eindrücke empfänglicher als andere.
In meinem privaten Wohnumfeld stört es mich zum Beispiel, wenn Unordnung herrscht. Sie lenkt mich ab, macht mich unruhig und wirkt sich letztlich auch auf mein Wohlbefinden aus.
Gleichzeitig gibt es natürlich auch Menschen, für die ein aufgeräumtes und ruhiges Zuhause nicht an erster Stelle steht oder die diesen Wunsch in einem Interior-Projekt gar nicht explizit äußern. Unabhängig davon setze ich in meinen Konzepten grundsätzlich auf eine ausgeglichene und gut ausbalancierte Atmosphäre. Ich empfinde Räume dadurch als harmonischer und stimmiger – und letztlich trägt das für mich ganz wesentlich zu einem guten Raumgefühl bei - Welche typischen Fehler beobachtest du bei der Gestaltung von Wohnzimmern mit viel Stauraumbedarf?
Anna:
In Wohnzimmern, in denen viele Dinge untergebracht werden müssen, ist ein häufiger Fehler, dass diese – oft kleinteiligen Dinge – offen sichtbar sind. Bücher, Dekoration und andere kleinere Gegenstände stehen in offenen Regalen, auf Wandboards oder in Vitrinen und sind dadurch ständig für das Auge präsent. Je mehr einzelne Dinge sichtbar sind, desto unruhiger wirkt der Raum.
Ein weiterer Fehler ist, den benötigten Stauraum auf zu viele Möbelstücke zu verteilen: hier ein Regal, dort ein Wandboard, eine Vitrine, eine Kommode, ein Sideboard. Nicht nur die Dinge selbst können kleinteilig wirken – auch unterschiedliche Stauraummöbel in Kombination können visuell unruhig erscheinen. - Wie kann Interior Design dazu beitragen, Ordnung langfristig zu unterstützen?
Anna:
Damit ein Raum langfristig aufgeräumt wirkt und Ordnung unterstützt, ist es essentiell, die Möglichkeiten für Unordnung von vornherein zu minimieren. Ganz ausschließen kann man sie natürlich nicht, aber wenn Ordnung ein wichtiges Thema ist, würde ich offene Fächer, Ablageflächen und andere Bereiche, in denen sich Dinge schnell ansammeln, möglichst reduzieren. So entsteht gar nicht erst so viel Potenzial für Unordnung.
Ein Beispiel wäre ein Wohnzimmer, in dem ein großzügiges Sideboard oder ein Schrank den Großteil des benötigten Stauraums bietet. So lassen sich viele Dinge an einem Ort unterbringen und verschwinden hinter geschlossenen Fronten.
Ganz ohne Ablageflächen geht es natürlich nicht. Auch die Oberfläche eines Sideboards bietet die Möglichkeit, Dinge abzustellen. Hier würde ich deshalb bewusst mit sehr wenigen dekorativen Elementen arbeiten und die Fläche einmal schön arrangieren – beispielsweise mit einer Lampe, einer Vase und einem großformatigen Bild. Danach braucht es allerdings auch etwas Disziplin, damit diese Fläche nicht nach und nach zur Sammelstelle für Kleinkram wird.
- Was sind deine Top 3 Tipps für mehr Ordnung im Alltag – aus Interior-Sicht?
Anna:
Mein Tipp Nummer eins für mehr Ordnung und ein ruhigeres Zuhause ist eine minimalistische Einrichtung in Verbindung mit einem reduzierten Lebensstil. Damit meine ich nicht, dass man extrem minimalistisch leben muss, sondern vor allem einen bewussteren Umgang mit Konsum.
Denn alles, was wir kaufen – Möbel, Dekoration oder andere Dinge – muss letztlich irgendwo untergebracht werden. Wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert, nur Dinge anschafft, die man wirklich braucht, und nur das behält, was einem am Herzen liegt oder einen Zweck erfüllt, kann eine Wohnung schnell freier und leichter wirken.
Zweitens habe ich schon mehrmals erwähnt: möglichst viel verdeckter Stauraum. Alles, was hinter Schranktüren oder in Schubladen verschwindet, ist aus unserem Blickfeld. Je mehr einzelne, kleinteilige Dinge das Auge wahrnimmt, desto unruhiger wirkt ein Raum. Sind diese Dinge dagegen hinter geschlossenen Fronten verstaut, nimmt man vor allem die großzügigen Flächen von Möbeln und Wänden wahr. Das lässt einen Raum automatisch ruhiger und aufgeräumter erscheinen.
Drittens empfehle ich für mehr visuelle Ruhe: in jedem Raum einen klaren Blickpunkt schaffen. Ein gutes Beispiel dafür ist eine Akzentwand. Gerade in kombinierten Wohnbereichen wie einem Wohn-Esszimmer kann das viel bewirken, wenn man an den bestehenden Möbeln nichts verändern möchte.
Mit einer einzelnen, farblich hervorgehobenen Wand schafft man einen starken Ankerpunkt, der idealerweise immer präsent ist – nicht nur beim Betreten des Raumes. So entsteht ein visuelles Highlight, das gleichzeitig als Ruhepol funktioniert und dem Raum mehr Struktur gibt. - Wo siehst du die größte Schnittstelle zwischen Ordnungscoaching und Interior Design – und wie könnten wir gemeinsam Kundinnen unterstützen?
Anna:
Meiner Meinung nach zielt Ordnungscoaching stärker auf das eigene Verhalten ab: Wie gehe ich mit meinem Zuhause und meinen Dingen um? Welche Gewohnheiten und Routinen kann ich im Alltag etablieren, damit es dauerhaft aufgeräumt bleibt?
Beim Interior Design geht es dagegen stärker um die Gestaltung des Raumes. Natürlich soll eine Einrichtung nicht nur gut aussehen, sondern auch funktional sein und im Wohnalltag funktionieren. An erster Stelle steht für mich aber immer die Frage, welches Raumgefühl, welches Ambiente und welches Flair entstehen soll.
Deshalb ergänzen sich beide Bereiche meiner Meinung nach wunderbar. Gerade für Menschen, denen es schwerfällt, dauerhaft Ordnung zu halten, könnte die Kombination aus Ordnungscoaching und einer entsprechend durchdachten Raumgestaltung ein ganzheitlicher Ansatz sein. Denn das eine setzt beim eigenen Verhalten an, das andere schafft die räumlichen Voraussetzungen dafür.

Was du daraus für dich mitnehmen kannst
Annas Antworten zeigen etwas Wichtiges: Ordnung ist kein Verzicht auf Schönheit – sie kann die Grundlage dafür sein.
Ein ruhiger Raum entsteht nicht automatisch dadurch, dass alle Dinge verschwinden. Es geht vielmehr darum, bewusst zu entscheiden, was sichtbar sein darf, welche Gegenstände einen festen Platz benötigen und welche Stauraumlösungen zum eigenen Alltag passen.
Über Anna
Anna Bergner ist Interior Designerin und entwickelt online individuelle Einrichtungskonzepte.
Im Austausch mit ihren Kundinnen und Kunden entstehen auf Grundlage von Moodboards und Grundrissplänen fotorealistische 3D-Ansichten der zukünftigen Räume sowie passende Einkaufslisten.
annabergner.com
Über mich
Ich bin Antje Höpfner, Ordnungscoachin in Berlin und zukünftig auch in Zürich.
Ich helfe Menschen dabei, ihre Wohnungen so zu organisieren, dass sie im Alltag funktionieren – ohne Perfektionsdruck, aber mit viel Pragmatismus und Humor.
Wenn du Unterstützung brauchst, buche gern ein unverbindliches Erstgespräch
https://happy-space-berlin.de/angebot/
Hat dich das Interview inspiriert? Dann teile es gern mit jemandem, wer gerade überlegt, ob Ordnung oder Interior Design der nächste Schritt ist.
Spoiler: Es darf beides sein.






