Wenn ich als Ordnungscoach Wohnungen betrete, dann treffe ich jedes Mal auf etwas Neues.

Andere Grundrisse, andere Möbel und vor allem: andere Menschen.

Sobald mehr als eine Person in einem Haushalt lebt, treffen automatisch auch unterschiedliche Bedürfnisse, Prägungen und Erwartungen aufeinander. Das ist völlig logisch. Wir sind Individuen.

Geprägt durch unsere Herkunftsfamilien, unsere Erfahrungen, Erlebnisse und manchmal auch durch Entbehrungen oder Überfluss in früheren Lebensphasen.

Ordnung ist nicht immer Reduktion

In genau solchen Coachings geht es oft nicht primär darum, Besitz zu reduzieren oder tief sitzende Glaubenssätze aufzulösen. Vielmehr steht eine andere Frage im Mittelpunkt:
Was brauchen die einzelnen Menschen, um sich in ihrem Lebensraum wirklich zu Hause zu fühlen?
Ordnung entsteht nicht allein durch weniger Dinge, sondern durch Räume, die die Bedürfnisse ihrer Bewohner widerspiegeln. Bedürfnisse nach Rückzug oder Nähe, nach Klarheit oder Lebendigkeit, nach Struktur oder Flexibilität.

Das gemeinsame Zuhause entsteht dann „nebenbei“ und Konflikte sind vorprogrammiert.
Mein Tipp an alle, die planen, zusammenzuziehen: Setzt euch bewusst zusammen und sprecht genau über diese Themen. Nicht erst, wenn es knirscht, sondern vorher.
Wer dafür Anregungen sucht, findet vermutlich mehr Literatur, es als Zeit zum Lesen gibt.
Ein Buch, das mir in diesem Zusammenhang besonders gefallen hat, ist:
Barbara Perfahl – Glücklich zusammen wohnen. Die besten Tipps für Paare
Das Buch zeigt anhand von Beispielen sehr anschaulich, was passieren kann, wenn Bedürfnisse nicht ausgesprochen werden und wie unterschiedlich Menschen Wohnen erleben.
Ein Begriff ist mir dabei besonders hängen geblieben: die „dritte Haut“.
Im Buch wird darauf eingegangen, dass unser Zuhause weit mehr ist als nur ein funktionaler Raum. Es ist:

  • Schutzraum
  • Ausdruck unserer Persönlichkeit
  • Rückzugsort
  • Bühne unseres Alltag

So wie Kleidung (die zweite Haut) zeigt auch unser Zuhause, wer wir sind oder zumindest, wer wir sein möchten. Diese Perspektive ist für meine Arbeit als Ordnungscoach unglaublich wertvoll, denn sie macht klar: Ordnung ist immer auch emotional.

Ordnung entsteht im Zusammenspiel

Zum Schluss möchte ich noch betonen: Gute Wohn- und Lebensqualität entsteht oft im Zusammenspiel verschiedener Dienstleistungen, idealerweise gut vor- oder nachgelagert.
Je nach Situation kann es sinnvoll sein, mit anderen Professionen zusammenzuarbeiten, zum Beispiel:
- Entrümpler:innen, wenn es um große Mengen oder emotionale Altlasten geht
- Feng-Shui-Berater:innen, um Energieflüsse und Raumwirkungen zu betrachten
- Wohnpsycholog:innen, wenn tieferliegende Themen sichtbar werden
- Inneneinrichter:innen, um Bedürfnisse auch ästhetisch umzusetzen

Ordnungscoaches können hier eine verbindende Rolle einnehmen, denn Ordnung ist die Schnittstelle zwischen Mensch, Raum und Alltag.

Mein Fazit:

Ein harmonisches Zuhause beginnt nicht im Schrank, sondern im Gespräch. Und manchmal braucht es genau dafür die richtigen Impulse, Fragen oder Empfehlungen von außen.